„Exkursion“: Galactic Gigolo (15.06.)

Juni 13, 2010

Am nächsten Dienstag verlegen wir die Denkwerkstatt ausnahmsweise einmal nach Bochum ins Prinz Regent Theater, wo um 20Uhr, im Rahmen des „megaFon  Theaterfestivals“, das Stück „Galactic Gigolo“ aufgeführt wird. Kartenreservierung wird empfohlen.

Mehr Informationen zu Festival und Ort findet ihr hier.


Vilem Flusser (01.06.2010)

Mai 24, 2010

„In Deutschland, dessen Denker Flusser doch geprägt hatten, blieb er ein Fremder, prophetisch, verstörend, unakademisch.“ (KITTLER, F.A.: „Vorwort“. In: FLUSSER, V.: Kommunikologie weiter denken. Die Bochumer Vorlesungen. Fischer, 2009, 9) Prägnant zeichnet Friedrich Kittler in seinem Vorwort zu den kürzlich erschienenen Bochumer Vorlesungen, das Bild Vilém Flussers, welches bis heute in wissenschaftlichen Kreisen vertreten wird. Eine solch ablehnende Haltung wird dem außerordentlich vielseitigen Denker – Flussers Abhandlungen reichen über Fotografie, Design und Philosophie bis hin zur Medien- und Kommunikationswissenschaft – in keinster Weise gerecht. Die Ausgrenzung Flussers als unwissenschaftlich ist einem stark analytisch geprägtem Verständnis von Wissenschaftlichkeit und Theorie geschuldet – Sachlichkeit, Klarheit der Begriffe im Sinne eindeutiger Definitionen und streng logischer Argumentationsstruktur. Doch begreift man Theorie mit Jonathan Culler – einem Literaturtheoretiker, der nicht zufällig aus der postmodernen Eckekommt – als ein Werk, welches über seine angestammte Disziplin hinausreicht, Diskurse aus anderen Bereichen beeinflusst und anregt, wird offensichtlich, dass Flussers Werk den Kriterien einer Theorie vollkommen entspricht.

Der Vortrag sieht sich als Versuch, eine Einführung in Flussers Denken zu bieten, wobei der Fokus auf Flussers Gesellschaftsentwurf der telematischen Gesellschaft liegen wird, denn in diesem lassen sich die meisten seiner Denkansätze wiederfinden; sie laufen hier zusammen: „Die telematische Gesellschaft ist Flussers positiver Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft, die keine Machtkonzentration kennt, sondern aus einem Netz von Kommunikation, in denen Menschen (und auch Maschinen) die Knotenpunkte und Relais‘ darstellen, besteht.“ (BIDLO, O.: „Vilem Flusser“. Oldib. Essen, 2008, 113/114).

Den Vorbereitungstext zu dieser Sitzung findet ihr hier.



Zusammenhänge und Differenzen von Herrschaftsstrukturen (04.05.10)

April 19, 2010

Das Thema wurde auf den nächsten regulären Termin verschoben. Die anderen geplanten Themen rutschen damit jeweils auf.

Aber worum wird es nun genau in diesem Text am 4. Mai gehen?

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Der Text war das Schwerpunktpunktthema der zweiten Ausgabe der Antarktika. Antarktika bezeichnet sich selbst als ein Magazin für Herrschaftskritik und kommt aus dem Spektrum der TierrechtlerInnen.

Man kann den, 22 Seiten langen, Text als eine Art Einführung in die Theorie der Herrschaftskritik verstehen. Kurz werden drei Herrschaftstheorien aufgezeigt. Die Theorie von Haupt- und Nebenwidersprüchen, Triple-Oppression, Unity of Oppression.

Dann werden zwei Denkformen herausgearbeitet: die des Dualismus und die des Naturalismus.
Anhand dieser beiden Kategorien wird eine Reihe von gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnissen analysiert: Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Spezismus, Ageismus, Antisemitismus, Naturbeherrschung.

Die Quintessenz ist eine pluralistische: Keine Kritik die sich auf einzelne Unterdrückungsstrukturen konzentriert kann das Netz der Herrschaft wirklich in Frage stellen. Und keine Herrschaftstheorie kann vollständig sein. Das eigene Denken muß selbst der Kritik unterzogen werden und doch wird es nötig sein verallgemeinernde Begriffe zu nutzen um intervenieren zu können. So weit alles klar? – Macht nix.

Das Interessante ist das der theoretische Hintergrund zwischen kritischer Theorie und Poststrukturalismus liegt. Dies Sind theoretische Richtungen die in den meisten Debatten der Linken gegeneinander ins Feld geführt werden. Trotz hoher Theoriedichte ist der Text verständlich geschrieben und setzt kein großes Vorwissen vorraus.

So ist der Text für alte Hasen eine interessant Kombination und für Leute mit weniger Hintergund eine gute Einführung. Also 22 Seiten die es sich in jedem Fall zu lesen lohnt.
Ich hoffe das der Text zu einer interessanten Debatte führt und neue Anregung und Instrument zur Kritik von Herrschaftsverhältnissen werden kann.

Den Text gibts hier.  S.4 -S.26 (Im PDF ist dahinter noch ein Text der aber nicht behandelt wird)


Kommuniqué aus einer ausbleibenden Zukunft. Über die Ausweglosigkeit des studentischen Lebens (06.04.10)

März 23, 2010

„Wir müssen unsere eigene Zeit leben, unsere eigenen Möglichkeiten. Das sind die einzigen wahren Existenzberechtigungen der Universität, auch wenn sie diesen nie nachgekommen ist. Auf Seite der Universität stehen: Bürokratie, Trägheit, Inkompetenz. Auf unserer Seite: alles andere.“

Ähnlich wie in der BRD und Österreich wurden in Kalifornien im Herbst 2009 Universitätsgebäude besetzt. Schon seit Monaten gibt es in diesem US-Bundesstaat massive Auseinandersetzungen wegen geplanten Gebührenerhöhungen und Gehaltskürzungen an den Hochschulen im Zusammenspiel mit zunehmend undemokratischen Strukturen. Die Proteste und Widerstandsaktionen – getragen von Studierenden, Hochschulangestellten und Gewerkschaften – setzten sich auch in diesem Jahr fort.

Im Zuge dieser sozialen Kämpfe sind zahlreiche Texte entstanden, die die gemachten Erfahrungen reflektieren und bündeln. Das „Communiqué from an Absent Future. On the Terminus of Student Life“ wurde vor diesem Hintergrund vom Kollektiv research&destroy verfasst und Anfang Oktober 2009 online veröffentlicht.

In einem einleitenden Vortrag sollen zentrale Thesen dieses Textes vorgestellt werden. Dabei wird auch der Entstehungskontext des Kommuniqués zu skizzieren sein. Im Anschluss sollen die theoretischen und praktischen Ansätze des Textes zur Diskussion gestellt werden. Die teilweise zugespitzten und sicherlich auch kontroversen Thesen sollen als Grundlage dienen zur Reflexion über die Rolle der Universität in gesellschaftspolitischen Zusammenhängen, sowie über mögliche politische Praxis.

Eine deutschsprachige Übersetzung des Kommuniqués gibt es hier.


Seifferts Pädagogik der Sensitivierung (23.03.10)

März 9, 2010

Sind die sogenannten Geisteskranken eigentlich die Gesunden und die Gesellschaft krank?

Der Ausgangspunkt der Pädagogik der Sensitivierung markiert die globale Situation, die Johannes Ernst
Seiffert als lebendbedrohend und letzlich nur durch sensitive Menschen zu retten darstellt.

In seiner Monographie „Pädagogik der Sensitivierung“ entwickelt Seiffert den letzten möglichen Begriff von Bildung und sein Theorem der unterdrückten Bildungsinhalte, welche die Menschen für das Leiden in der Welt sensitiveren sollen, um dem Leiden letzlich Abhilfe zu verschaffen.

Der Vortrag befasst sich zuerst mit den theoretischen Überlegungen Seifferts – die zum Teil auf Autoren wie Herbert Marcuse, Max Horkheimer, Karl Marx und Walter Benjamin rekurrieren – um im zweiten Teil Folgerungen für die pädagogische Praxis auszuloten, welche darauf in einem Experiment hinterfragt wurden.

Abschließend werden die vorgestellten Überlegungen zur Diskussion gestellt.

Zur Vorbereitung dient das Kapitel zum letztmöglichen Begriff von Bildung.


Dekonstruktiver Feminismus / queer theory (09.03.10)

Januar 30, 2010

Verschiedene Feministinnen der zweiten Frauenbewegung konnten und können dekonstruktiven Theorien nicht viel Begeisterung abgewinnen: Diese verfehlten das Wesen der Frau, sägten mit ihrer Subjektkritik an dem Ast, an dem Frauen gerade erst halt zu finden begannen und/oder verlören sich in Beliebigkeit. Der Vortrag versucht, die Sichtweisen dekonstruktiver Feminist_innen nachzuzeichnen und eventuelle Missverständnisse aufzuklären. Dazu orientiert er sich an einer feministischen Kritik, die dekonstruktive und poststrukturalistische Einwände ernst nimmt, aber trotzdem oder gerade deswegen handlungsfähig bleibt. Abschließend sollen einige Verfahren in Augenschein genommen werden, diese Kritik anzubringen: Mimesis (Luce Iriegaray), Werden (Gilles Deleuze) und queer theory (Judith Butler).

Ein Text mit Fokus auf die Kritik der Kategorien Sein und Subjekt findet sich hier. Während die dortigen Anwendungsbeispiele ausgelassen werden, beschäftigt sich der Vortrag zusätzlich queer theory und versucht, Auswege zu den oft gestellten Fragen nach Materialität, Körper und der Möglichkeit von Kritik aufzuzeigen.


Kulturindustrie (23.02.10)

Januar 29, 2010

Über Kulturindustrie als reproduzierender Faktor der gesellschaftlichen Verhältnisse

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer formulierten während des zweiten Weltkriegs im amerikanischen Exil den Text „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“; ein Kapitel der „Dialektik der Aufklärung“, die 1944 veröffentlicht wurde. Die Autoren unterstellen darin Medien wie Radio und Fernsehen ebenso wie der Kunst, vollständig von kapitalistischen Strukturen korrumpiert zu sein. Kulturgüter sind Waren, die es zu verkaufen gilt. Nicht die Qualität, sondern die Effizienz des Angebots steht im Vordergrund. Neuerungen im Angebot dienen dabei lediglich der Verbesserung der Massenproduktion und der Profitmaximierung. Damit niemand ausweichen kann ist für alle etwas vorgesehen. Jede/r soll sich für das Produkt entscheiden, das passend zu Interessenlage und Bildungsniveau produziert wurde. Auf diese Weise wird das gesellschaftliche System fortwährend reproduziert. Anstelle von Aufklärung tritt Massenbetrug und die Bekämpfung des denkenden Subjekts.

Der Vortrag zu diesem Thema unternimmt den Versuch neben einer kurzen Rekonstruktion die Theorie auf die heutige Situation zu transformieren. Im Anschluss kann über die Theorie und die vorgestellten Thesen diskutiert werden.

Den Vorbereitungstext zu dieser Sitzung findet ihr hier!


Die Mapuche in Chile (09.02.10)

Januar 28, 2010

Die indigene Bevölkerung Südchiles und Südargentiniens konnte über 300 Jahre ihre Unabhängigkeit erst vor den Inkas und später vor den SpanierInnen bewahren.

Dieser erfolgreiche Widerstand war vor allem wegen ihrer dezentral organisierten Gesellschaft möglich: Die Inka sowie die SpanierInnen konnten keine zentrale Machtfigur stürzen und selber übernehmen.

Diese und andere Aspekte sollen im Vortrag vorgestellt und im Anschluss diskutiert werden.


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